Schulinsel als Schatzinsel

Der Begriff Schulinsel ist an sich bereits ein metaphorischer, der das Angebot als einen isolierten, sicheren und kreativen Raum beschreibt, ähnlich einer Insel, die von den turbulenten Wassern des schulischen Alltags umgeben ist.

Die Schulinsel kann zur Schatzinsel werden, wenn Schülerinnen und Schüler in diesem separierten und gleichzeitig sicheren Umfeld auf Entdeckungsreise gehen und verborgene Schätze in Form von Wissen, Kreativität und persönlicher Entwicklung finden können.

Kunsttherapeutische Methoden in der Bildung

Kunsttherapie ist eine Form der Psychotherapie, die Kunst als Medium zur Kommunikation und Selbstexploration nutzt. In der Bildungsumgebung ermöglichen an das Setting der Schule angepasste kunsttherapeutische Methoden den Schülerinnen und Schülern, ihre Gefühle, Gedanken und Erlebnisse auf eine kreative Weise auszudrücken. Dies fördert die Selbstwahrnehmung, emotionale Intelligenz und Resilienz, was wesentlich für die persönliche Entwicklung ist.

Kreative Methoden in der Schulumgebung

Theater und Rollenspiel

Theater und Rollenspiel bieten Schülerinnen und  Schülern eine Bühne, um verschiedene Perspektiven zu erforschen und soziale Situationen in einem kontrollierten Umfeld nachzuspielen. Diese Aktivitäten fördern Empathie, Teamarbeit und kritische Denkfähigkeiten. Das dabei erlebte Embodiment fördert den Ausgleich zum ansonsten hauptsächlich kognitiv erlebten Unterricht.

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Malen und Gestalten als Sprache der Emotionen

Visueller Ausdruck in Form von Malen und Gestalten ermöglicht Schülerinnen und  Schülern, ihre inneren Gedanken und Gefühle visuell darzustellen und Eindrücke projektiv zu verarbeiten. Solche Prozesse unterstützen die Verarbeitung und die Reflexion und tragen zum Verständnis eigener Emotionen und zur Integration positiv bewältigter Erfahrungen beiträgt.

Musik und Rhythmus – auch der Sprache

Musik und rhythmische Aktivitäten können als kraftvolle Werkzeuge für die emotionale und kognitive Entwicklung eingesetzt werden. Sie ermöglichen es den Schülern, in einem nicht-verbalen Rahmen zu kommunizieren und zu interagieren – oder Sprache anders zu erleben -, was insbesondere für diejenigen hilfreich sein kann, die Schwierigkeiten mit der traditionellen Kommunikation haben.

Tanz und Bewegung

Im Tanz schafft die einem kindliches Grundbedürfnis entsprechende eine kraftvolle Ausdruckssprache, die es Schülerinnen und  Schülern ermöglicht, Emotionen und Erfahrungen auf kreative Art und Weise zu verarbeiten. Durch Tanz und bewegungsbasierte Übungen können Schüler ein tieferes Verständnis für ihren Körper erlangen, ihre emotionale und physische Balance verbessern und Stress abbauen.

Positive Bindung und Selbstermächtigung

Überflutung und Verlassenheit

Überflutung bezieht sich auf Zustände, in denen ein Kind überwältigt wird von intensiven Emotionen, die es nicht effektiv regulieren oder verstehen kann. Im Schulalltag kann die in der Attachment-Theorie definierte Überflutung auftreten, wenn ein Kind ständig hohen schulischen Anforderungen, sozialem Druck oder einer überfordernden Umgebung ausgesetzt ist. Dies kann zu Angst, erhöhtem Stress und in einigen Fällen zu Vermeidungsverhalten führen, was in einer Abwärtsspirale enden kann.

Verlassenheit beschreibt das Empfinden von Isolation oder Zurückweisung, besonders wenn ein Kind wiederholt erlebt, dass seine Bedürfnisse nach Nähe, Verständnis und Schutz ignoriert oder abgelehnt werden. Im schulischen Kontext kann sich Verlassenheit manifestieren, wenn Kinder sich unverstanden oder von Lehrkräften und Mitschülern isoliert fühlen. Dies kann zu Gefühlen der Einsamkeit, des Misstrauens gegenüber anderen und zu Schwierigkeiten bei der Bildung sicherer, unterstützender Beziehungen führen.

Kinder, die regelmässig Erfahrungen von Überflutung oder Verlassenheit machen, können im schulischen Umfeld besonders anfällig für Überforderung sein. Über spielerische, kreative Interaktion in einem geschützten Rahmen, wie dies die Schulinsel bietet,  können sie nicht nur positive Bindungserfahrungen machen, die ihr Bedürfnis nach Sicherheit und Verständnis erfüllen. Sie erleben sich auch als handlungsfähig, was wiederum ihr Gefühl von Selbstermächtigung unterstützt.

Umgang mit dem Fight-or-Flight-Modus

Kinder, die häufig in den Fight-or-Flight-Modus versetzt werden, also auf Stress mit Angriff oder Flucht reagieren, können mit kunsttherapeutischen Methoden ressourcenorientiert lernen, ihre Impulse besser zu steuern. In der strukturierten, doch freien Umgebung der Kunsttherapie lernen sie, Stresssituationen spielerisch zu bewältigen, was ihnen hilft, in realen Situationen ruhiger und überlegter zu agieren.

Schulinsel als Schatzinsel: Kreative Förderung und Begabtenförderung

Kunsttherapeutische Methoden würdigen nicht nur vorhandene individuelle Talente, sondern fördern auch neue zutage. Diese Ansätze tragen zur ganzheitlichen Bildung der Schülerinnen und Schüler bei, indem sie sowohl ihre kognitiven als auch emotionalen und sozialen Kompetenzen betonen.

Schulinsel als Schatzinsel bedeutet, die kommenden Generationen auf die Zukunft optimal vorzubereiten. Mit dem Einbezug kunsttherapeutischer Methoden auf Schulinseln wird der Nachwuchs dafür auf beste Weise vorbereitet: in seiner Eigenverantwortlichkeit, achtsamem Umgang mit der Umgebung und den Mitmenschen sowie Kenntnis von und adäquaten Einsatz der eigenen Kräfte und Fähigkeiten. 

In der kunsttherapeutischen Arbeit werden übrigens auch kollaborative Projekte gefördert, die Teamarbeit und soziale Interaktion erfordern. Diese gemeinsamen kreativen Unternehmungen können die Kommunikation und das Verständnis zwischen Schülern unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe verbessern, wodurch ein inklusives und unterstützendes Schulmilieu geschaffen wird.

Auch die Schulinsel eignet sich als Gefäss für die Entwicklung solcher Projekte, welche unter Einbezug der spezifischen Fähigkeiten und Neigungen von Schülerinnen und  Schülern selber entwickelt werden, während die Theaterpädagogik ursprünglich eher darauf abzielt, mit Kindern ein vorgegebenes Stück einzuüben.